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Heinz Schubert, der Maler und Zeichner


Werke des Künstlers Heinz Schubert sind im Wohnstift Beethoven in Bornheim seit Jahrzehnten heimisch: sie gehören seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zur künstlerischen Grundausstattung des Hauses. Vom 27. April bis zum 24. Juli 2009 waren an gleichem Ort weitere Werke von Schubert zu sehen, betreut von dem Architekten Prof. Martin Bauer, der auch seinerzeit schon dafür sorgte, dass der in Tschechien geborene und später in Kempten zur künstlerischen Vollendung gereifte Schubert ins Gestaltungskonzept von Wohnstiften eingebunden wurde.
Der 2001 gestorbene Künstler entwickelte für seine Werke die Technik der Zink-Ätzung, die allerdings derzeit wieder der Vergangenheit angehört. Ein Iller-Hochwasser zerstörte zunächst die noch in eigenem Besitz befindlichen Werke, ein zweites Hochwasser, zu Pfingsten 1999, Schuberts rund 1200 Zink-Druckplatten. Eine „Schule” für die Technik der Zink-Ätzung entstand nicht. Umso mehr darf man sich an den Beständen des Schubertschen Wirkens erfreuen. 


Heinz Schubert 
Nachruf auf eine graphische Technik 


Nicht davon will ich berichten, dass die herkömmlichen klassischen Techniken wie Holzschnitt, Radierung oder Lithographie vom Aussterben begriffen sind.
Das sind sie auch nicht. Es gibt noch immer viele Künstler, große und kleine, die sich ihrer bedienen. Sie schneiden und ätzen, schaben und ritzen und drucken wie eh und je und sie werden es auch weiter tun. 

Ganz anders ist es mit meinen Zinkätzungen, in die ich 17 Jahre verliebt und vernarrt war, und die am 9. April 1980 gestorben und für immer begraben wurden. Es ist nicht übertrieben gesagt, denn von diesem Zeitpunkt an war Schluss mit allem, mit dem Ätzen und dem Drucken. Das Hochwasser von Pfingsten 1999 hat noch das Übrige getan, indem es meine etwa 1200 Platten so zugerichtet hat, dass sie reif für den Container waren und dort auch landeten. Für mich ist eine Schaffensperiode zu Ende gegangen, so, als hätte ich einen guten Freund verloren.
Wie kam das alles? Wie kam ich zu dieser so unbekannten und von niemandem geübten Drucktechnik? Eines Tages gab mir der Leiter der Köselschen Graphischen Werkstätte, Herr Lüdecke, eine Zinkplatte in die Hand, dazu ein Fläschchen Asphaltlack und eines mit Verdünner. „Machen Sie mal den Versuch: Zeichnen Sie mit dem Lack auf die Platte. Wir ätzen sie dann und sehen, was dabei heraus kommt.” 

Mit dieser sirupartigen Flüssigkeit, dem zähflüssigen Asphaltlack, auf einer glatten Metalloberfläche zeichnen, das konnte und wollte nicht besonders gut gehen. Allein der medizinische Geruch des Verdünners, der sich fortan in meinem Arbeitszimmer und der Wohnung ausbreitete, stieß bei meiner Frau und bei den Besuchern auf wenig Verständnis.
Meine ersten Versuche ergaben vom Bildnerischen her gesehen, nur bescheidene Resultate. Aber schon bei diesen Anfängen spürte ich, dass viele Möglichkeiten in dieser Technik lagen, die es zu schöpfen galt. 

Ich lernte den Lack richtig auf zu tragen, ihn mit Finger und Borstenpinsel aufzuspritzen und ihn zu schaben und zu kratzen. Durch das Abdecken mit Deckweiß erzielte ich präzise Linien und Formen, kurzum die Ergebnisse wurden immer besser und spornten mich jedesmal an, meine Arbeit fortzusetzen. Dann wurden die Platten in verdünnter Salpetersäure tiefgeätzt, so dass die mit Lack bedeckten Stellen stehen blieben und eine Art Metallstempel bzw. Metallklischee ergaben. Nachdem manche Stelle, die nicht drucken sollte, heraus gefräst und die Platte schön facettiert war, konnte der Druck beginnen.
Das waren dann die schönsten Momente für mich und meinen Drucker, wenn wir nach etlichen Probedrucken ein gelungenes Blatt in der Hand halten konnten. Der einzige Fehler war, dass wir nie große Auflagen hergestellt haben. 

Die Arbeit mit ganz neuem Material, das spröde und zäh und dabei mehr auf Improvisation als auf Datailgenauigkeit ausgerichtet war, erforderte eine entsprechende Thematik, die im skurril- phantastischen Bereich lag. Es entstanden Die Vergötzung der Blechfahrzeuge 1963, Das museale Interieur 1964, Die Ausfahrt der Dämonen 1969 und viele andere. 
Das unerbittliche Schwarzweiß, das keine Halb- und Vierteltöne kannte, war die Grundsubstanz eines jeden Blattes, auf der es immer wieder etwas Neues hervorzuheben galt. 

Bald konnte ich eines jener bibliophilen Bändchen ausstatten, die der Köselverlag alljährlich seinen Freunden als Weihnachtsgabe überreichte: Die seltsame Weihnachtsbescherung des Pater Hipolyt

Aber die eigentliche praktische Anwendung meiner Zinkätzung erfolgte im Jahre 1969, als Dr. Weitnauer seinen ersten Band der Allgäuer Chronik veröffentlichte. Er enthält über 200 Motive, die alle von der Originalplatte also als Originalgraphik gedruckt wurden. Der Autor, am Anfang etwas skeptisch, war bald überzeugt, dass meine Ätzungen in ihrer knappen symbolhaften Form eine glückliche Lösung bedeuteten, die seinem dreibändigen Werk vollauf entsprachen. Der zweite Band aus dem Jahre 1971 enthält 224 und 1972 der dritte Band 223 Illustrationen in Zink geätzt. Auch die Schutzumschläge der drei Bände wurden in der gleichen Art gestaltet. Der größte Teil der Illustrationen ist nicht breiter als 8 bzw. 16 cm, entsprechend dem zweispaltigen Textsatz. Eine Arbeit, die mich drei Jahre beschäftigte und mich nicht nur mit dem Verfasser der Chronik, sondern auch mit der Allgäuer Geschichte auf das intensivste in Berührung brachte. 

Neben dieser fast minutiösen Buchgraphik entstanden immer wieder Blätter in größeren Formaten, in denen ich meine Gedanken und Vorstellungen von einer irrealen Welt zu verwirklichen suchte, wie in Die Wühlmäuse kommen,  Die Lasterstadt,  Abstellplatz für Monumente, Verwitternde Kathedralen und viele andere. 

Leider ist heute das Fläschchen mit Asphaltlack eingetrocknet und der Verdünner verdunstet. Als ich am 9. April 1980 das Lesevergnügen, meine letzte Platte druckte, galt es nicht nur Abschied zu nehmen von einer graphischen Technik, meiner Ätzungen, sondern auch vom klassischen Buchdruck, der zu Ende ging und einer neuen Drucktechnik, dem Offsetdruck Platz zu machten. 


Heinz Schubert
Lebens- und Werkdaten 



1912 
Am 7. 10. in Zwettnitz bei Teplitz-Schönau geboren 
1930 – 1940 
Nach Abitur Studium an der Deutschen Universität und Deutschen Technischen Hochschule in Prag. Assistent an der Lehrkanzel für Freihandzeichnen. 
1941 
Erste Buch-, Zeitschriften- und Zeitungs- Illustrationen
1942 
Einberufung zum Kriegsdienst. 
1944 
Verwundet in amerikanischer, später belgischer Gefangenschaft. Verbindung mit der Familie jahrelang unterbrochen. 
1945 
Verlust der Heimat, Vertreibung der Familie aus Prag. 
1947 – 1950 
Entlassung aus der Gefangenschaft nach Kempten (Allgäu) Zusammenführung mit der Familie. Ein Jahr wohnhaft auf dem Mariaberg bei Kempten. Wiederaufnahme der künstlerischen Tätigkeit. Beginn der Zusammenarbeit mit dem Bezirksheimatpfleger von Schwaben Dr. Dr. Alfred Weitnauer. Freie Mitarbeit bei der Zeitschrift „Das schöne Allgäu” und der Tageszeitung „Der Allgäuer” 
1951 
Erste Aufträge für künstlerische Arbeiten am Bau durch die Stadt Kempten, Finanzbauamt Kempten, durch private Architekten und Baufirmen. 
1954 – 1979 
Erster Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler, Schwaben- Süd. 
1959 
Kunstpreis der Stadt Kempten. Mosaik- Entwurf für das Wasserbecken auf der Zumsteinwiese, Kempten. 
1960 
Gründung des Kemptener Kunstkabinetts mit dem Arzt und Sammler Dr. Wilhelm Maul 
1961 
Das erste Künstlerverzeichnis des Berufsverbandes Bildender Künstler, Schwaben Süd, erscheint. 
1962 
Gründung des Sozialfonds des Berufsverbandes Bildender Künstler e. V., Modell für andere bayerische Regionalverbände 
1963 
Erster Presse- und Künstlerball mit der Allgäuer Zeitung zugunsten des Sozialfonds veranstaltet. 
1964 
Lithographien auf Stein in der Werkstatt von Gottlieb Osterwalder und erste Versuche mit Zinkätzungen in den Graphischen Werkstätten der Firma Kösel. Anwendung dieser Hochdrucktechnik als wesentliches Ausdrucksmittel
bis zum Jahre 1979. 
1968 
Kunstpreis des Bezirks Schwaben anlässlich der „Großen Schwäbischen Kunstausstellung“ in Augsburg 
1970 
Mitarbeit bei dem neu gegründeten Allgäuer Zeitungsverlag. Illustrationen zahlreicher Veröffentlichungen schwäbischer Autoren (Peter Dörfler, A. M. Miller, Aeg, Kolb, Fr. R. Miller u.a.) Buchgestalterische Mitarbeit beim Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn (Mundart- und kunstgeschichtliche Literatur) Abschluss der künstlerischen Ausgestaltung der Aussegnungshalle (Betonglasfenster u.a.m.) am Zentralfriedhof in Kempten. 
1974 bis 1976 
Illustrationen für die Wohnstifte Mozart in Ainring bei Salzburg und Beethoven in Bornheim bei Bonn 
1977 
Gobelinentwurf für die Landeszentralbank Kempten. Ausführung durch die Nymphenburger Gobelinmanufaktur
1979 
Ehrenvorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler, Schwaben Süd 
1980 
Die erste Folge der Allgäuer bzw. schwäbischen Künstlerkarten erscheint im Allgäuer Zeitungsverlag. 
1981- 1986 
Mitarbeit an der Bilderausstattung des Schwäbischen Bildungszentrums Irsee. 
1985 
Die hundertste Künstlerkarte der Allgäu-schwäbischen Städteserie erscheint. 
1986 
Bundesverdienstkreuz am Bande durch Kultusminister Prof. Dr. Hans Meier. 
1987 
Verdienstmedaille des Bezirks Schwaben „Bilder Graphik Texte” Katalog zur Ausstellung anlässlich des 75. Geburtstag erschienen, im Rahmen der schwäbischen Kulturtage in Kempten im Hofgartensaal der Kemptener Residenz, veranstaltet vom BBK- Schwaben Süd und der Stadt Kempten. 
1992 
Große goldene Residenzmedaille der Stadt Kempten Einzelausstellung in Neugablonz in der Gablonzer Galerie
1997 
Johannesmedaille der Freunde der Kemptener Museen (FKM)
Auszeichnung mit der Merkur- Büste der Stadt Kempten als Würdigung des Lebenswerkes zum 85. Geburtstag, Ausstellung im Bildungszentrum Irsee „Scripturen”.
Es erscheint das Buch Heinz Schubert „Kempten” farbige Zeichnungen und Skizzen, Franz Brack Verlag, Altusried 
1998 
„Bilder aus der Mondschublade” Ausstellung im Kunstkabinett Kempten. 
1999 
Pfingst- Hochwasser vernichtet alle im Keller im Panzerschrank gelagerten Arbeiten/Zinkdruckplatten u.a.m.
2001 
Heinz Schubert stirbt am 24. August 


Weitere Informationen:
www.kempten.de/schubertvita.html




Eine Auswahl von Heinz Schuberts Buchtiteln

 

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